II. Epitheliales Ovarialkarzinom (EOC)

7. PROGNOSE

7.1. Allgemeine Aspekte

  • Ovarialkarzinome bilden ein breites Spektrum histologischer Typen mit z. T. erheblichen Unterschieden im biologischen Verhalten und in der Empfindlichkeit gegenüber den verschiedenen Therapiekonzepten.
  • Die wichtigsten Prognosefaktoren sind Tumorstadium, Performancestatus und postoperativer Tumorrest.
  • Der histologische Subtyp ist ebenso von prognostischer Relevanz. Dabei weisen klarzellige und muzinöse Tumoren eine signifikant ungünstigere Prognose auf als die serös-papillären und endometrioiden Karzinome und sprechen schlechter auf eine konventionelle platinhaltige Chemotherapie an (Silverberg et al., 1989; Fujita et al., 2003).

7.2. Prognosefaktoren

  • Tumorstadium: Das Tumorstadium bei Erstdiagnose stellt einen der wichtigsten Prognosenfaktoren beim Ovarialkarzinom dar. Basierend auf Daten des National Cancer Institute’s Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER) fand sich folgendes 5-Jahres-Überleben in Abhängigkeit vom Tumorstadium: Stadium I (93 %), Stadium II (70 %), Stadium III (37 %) und Stadium IV (25 %) (Trimble et al., 1999).
  • Malignitätsgrad: Der Grad der Tumordifferenzierung beeinflusst wesentlich die Tumorbiologie und damit die Operabilität und das Therapieansprechen. Vergleicht man die Stadien I und II mit den Stadien III und IV, beträgt das 5-Jahres-Überleben in den klinischen Stadien I und II verglichen mit den Stadien III und IV für Grad-I-Tumoren 87 % bzw. 38 %, für Grad-II-Tumoren 70 % bzw. 25 % und für Grad-III-Tumoren 64 % bzw. 19 % (Pecorelli et al., 1998).
  • Alter und Performance-Status: In mehreren Studien der Gynecologic Oncology Group (GOG) erwiesen sich bei insgesamt 2.000 Patientinnen das Alter bei Diagnose und der Performancestatus neben dem Tumorrest nach Debulking-Operation als wichtigste Prognosenfaktoren (Thigpen et al., 1993; Yancik et al., 1993).
  • Tumorrest nach primärer, zytoreduktiver Operation: Trotz bislang fehlender prospektiv-randomisierter Phase-III-Studien wurde die Bedeutung einer primären, zytoreduktiven Operation in der Therapie des Ovarialkarzinoms und damit die prognostische Wertigkeit des Tumorrests in mehreren Studien und 2 Metaanalysen bestätigt (Allen et al., 1995; Bristow et al., 2002).
    Der mögliche Vorteil einer primären optimalen Debulking-Operation stützt sich auf folgende pathophysiologische Grundlagen:

    • Entfernung von minder vaskularisierten Tumorarealen, welche einer systematischen Chemotherapie nicht zugänglich sind
    • geringere Tumorlast bedeutet weniger Chemotherapiezyklen und geringere Wahrscheinlichkeit einer therapieinduzierten Chemotherapieresistenz
    • lokale Anti-Tumor-Immunität wird durch die Entfernung großer Tumorherde induziert
    • potenziell chemotherapieresistente Zellklone werden entfernt

  • Therapieansprechen: Ovarialkarzinome gehen in 75–90 % mit einer Erhöhung des CA-125-Wertes einher. Bei einer Normalisierung des prätherapeutischen CA-125-Wertes nach 3 Zyklen Chemotherapie kann von einem 5-Jahres-Überleben von 23 % (Stadium III) ausgegangen werden. Eine Senkung des CA-125 unter 10 U/ml während der ersten 3 Zyklen erhöht die 5-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeit auf 50 % (Mogensen et al., 1992).