XII. Psychoonkologie in der gynäkologischen Onkologie

2. SPEZIELLE PSYCHOONKOLOGIE IN DER GYNÄKOLOGIE

2.1. Gynäkologische Onkologie

  • Patientinnen erleben durch die Krebserkrankung eine narzisstische Verletzung. Die gynäkologischen Organe haben eine hohe Bedeutung für das frauliche Selbstbild. Krebs bedroht einerseits das Leben und bewirkt andererseits fast immer eine Störung des Körperbildes.
  • Betroffen sind primäre und sekundäre Geschlechtsorgane der Frau. Damit werden Fragen der Identität und Authentizität (Autonomie)9 aufgeworfen.
  • Die Beziehung zum eigenen Köper wird hinterfragt, Partnerschaft, Fertilität und Sexualität werden noch stärker thematisiert als meist ohnehin üblich.

2.2. Somatische Auswirkungen

  • Veränderung des Körpers (Chirurgie, Verstümmelung, Organverlust, passagerer Haarverlust). Langfristige Anpassung an das veränderte Körperbild ist notwendig.
  • Verminderung oder Verlust von Fähigkeiten muss bewältigt werden (Sexualleben, Fruchtbarkeit [ev. Abortus], Amenorrhö, verfrühte Menopause, hormonelle Schwankungen, Fatigue).
  • Die ev. Diagnose genetischer Disposition und deren Folgen für Patientin und Familienangehörige müssen eingeordnet und Konsequenzen entschieden werden.

2.3. Psychische Auswirkungen

  • Ängste, depressive Denkinhalte, Verzweiflung, Verbitterung, Trauer, erhöhter Disstress, Reizbarkeit, seelische Müdigkeit, Niedergeschlagenheit
  • Inaktivität, Verringerung sozialer Kontakte, Vereinsamung

2.4. Existenzielle (geistige) Auswirkungen

  • Zukunftsangst, Vergänglichkeitsbewältigung, Angst vor dem Rezidiv, vor dem Sterbeprozess und vor dem Tod selbst.
  • Schuldgefühle (was habe ich zu meiner Krankheit beigetragen?).
  • Identitätsverlust (was bin ich noch wert, wer braucht mich noch?).
  • Sinnlosigkeitsgefühle (wozu weiterleben?).
  • Spirituelle und Glaubensfragen über den Sinn des Lebens an sich werden akut.